Sie befinden sich im Archiv der Website des Meisterateliers für Geigenbau Martin Schleske. Das Archiv enthält frühere (veraltete) Inhalte unserer Website.
ZUR OBJEKTIVITÄT DES MUSIKERS
Inhalt dieses Abschnitts:
Warum man sich auf einen guten Musiker mehr verlassen sollte als auf jede vermeintlich objektive Messmethode
Kann die Qualität eines Streichinstrumentes eindeutig beurteilt werden? Seriöse Wissenschaft erhebt den Anspruch der Objektivität, das heißt etwa, die angewandten Methoden müssen nachvollziehbar, reproduzierbar usw. sein. In der Regel klammern Forschungsarbeiten im Bereich der musikalischen Akustik (bzw. der Instrumentenakustik) daher den Musiker „als Teil der Messmethode“ aus. Es wird befürchtet, andernfalls führe dies zu subjektiven und wenig reproduzierbaren Ergebnissen.
Durch meine eigene Werkstatterfahrung mit hochqualifizierten Musikern stelle ich diese Befürchtung in Frage. Die Art und Weise, in der Musiker in der Lage sind, ihr Instrument reproduzierbar zu spielen und konsistent zu beurteilen, weckt in mir zunehmend den Verdacht, dass manche Wissenschaftler mit den genannten Befürchtungen nie wirklich Kontakt zu „Spitzenmusikern“ hatten.
An eine geeignete Messmethode zur Bestimmung der Klangqualität eines Musikinstrumentes müssen mindestens zwei Forderungen gestellt werden – die Forderungen der Reproduzierbarkeit und die der Relevanz. Die beste Methode wird jene sein, bei der das Produkt beider Forderungen ein Maximum erreicht. Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass die Klangwahrnehmung eines real gespielten und gehörten Instrumentes an Relevanz jede andere Methode weit übertrifft. (Denn was nützt ein noch so „schönes“ und objektives Messergebnis, wenn es wenig mit dem tatsächlichen Klang und der Konzertsituation des Instrumentes zu tun hat?) Dass aber das Spielen eines Instrumentes durch einen hochqualifizierten Musiker darüber hinaus auch ungeheuere Reproduzierbarkeit hat, ist bislang wenig bekannt. Aus diesem Grund der nachfolgende Beleg:
- Klangliche Darstellung
- Graphische Darstellung
Klangliche Darstellung
Das folgende Klangbeispiel veranschaulicht diese Fähigkeit guter Musiker: Es wurde im MEISTERATELIER FÜR GEIGENBAU MARTIN SCHLESKE der Klang zweier Stradivari-Geigen aufgenommen. Der Musiker (der hier nicht namentlich genannt werden möchte), spielte verschiedene Passagen auf beiden Geigen. Diese nacheinander eingespielten identischen Passagen wurden dann als Stereo-Aufnahme so editiert, dass sie gleichzeitig beginnen. Wenn Sie Stereo-Lautsprecher an die Soundcard Ihres Computers angeschlossen haben, werden Sie links die „Schreiber“-Stradivari (anno 1712) und rechts die gleiche Passage auf der „Hamma“-Stradivari (anno 1721) hören. Die Reproduzierbarkeit des Spiels – zumal ohne Begleitung, Metronom oder Dirigent – wird durch diese gleichzeitige Wiedergabe anschaulich.
Graphische Darstellung
Die beeindruckende Fähigkeit guter Musiker, ein Instrument in hoher Reproduzierbarkeit zu spielen, lässt sich auch durch die graphische Darstellung von Klangaufnahmen zeigen. Es wird dabei der gehörte Schall in seinen Druckschwankungen aufgezeichnet und deren spektrale Zusammensetzung farbig aufgezeichnet. Bei der nachfolgenden Abbildung handelt es sich um die Aufzeichnung einer gespielten Geige von Domenico Montagnana (anno 1729). Die unten dargestellten Passagen wurden zwei Tage nach den oben dargestellten eingespielt. (Es handelt sich um Teile des Brahms-Violinkonzert (Reprise und Exposition) und um den Anfang der Violin-Sonate BWV 1002 (Andante) von J.S. Bach)
Abb.: Zeitbereich einer gespielten Montagnana: Vor und nach einer vorgenommenen Klangeinstellung
Diese Spektralanalyse macht deutlich: Der Spieler ist in der Lage, sein Instrument mit ungeheurer Reproduzierbarkeit zu spielen (siehe zeitliche und spektrale Übereinstimmungen).
