Sie befinden sich im Archiv der Website des Meisterateliers für Geigenbau Martin Schleske. Das Archiv enthält frühere (veraltete) Inhalte unserer Website.
Wie in der Einleitung des Kapitels „Klangeinstellung“ bereits erwähnt, sollten alle „sanften“ Methoden der Klangeinstellung (Stimmstock, Steg, Griffbrett) hinreichend ausgeschöpft sein, bevor ein Instrument in seiner eigentlichen Substanz, also seinem Korpus verändert wird. Auch sollte solch einer Veränderung eine sorgsame Diagnose seiner klanglichen Schwachstellen vorausgegangen sein und Klarheit bestehen, welche akustischen Veränderungen als „klangliche Therapie“ vorzunehmen sind.
Nachfolgend ist der akustische Eingriff einer Korpuskorrektur dokumentiert. Die betreffende Geige fiel durch einen etwas topfigen, lauten aber ordinären Ton auf. Eine Resonanzanalyse der Schallabstrahlung (Schallanalyse) zeigte eine starke T1-Korpusresonanz (Modalanalyse), jedoch eine eher schwache B1-Korpusresonanz. Sowohl die tieffrequente Helmholtzresonanz als auch der hochfrequente Brillanzbereich waren wenig überzeugend ausgeprägt. Hier konnten die „sanften“ Eingriffe durch Steg und Stimmstock nichts mehr ausrichten. Das Instrument wurde daher geöffnet und an einigen Bereichen der Decke in seinen Stärken korrigiert. Es wurde ein neuer Bassbalken eingepaßt und schließlich Steg, Stimmstock und Griffbrett neu angefertigt. Das Resultat ist in nachfolgender Abbildung dargestellt. Die schwarze Kurve zeigt das Resonanzprofil vor- die rote Kurve das Resonanzprofil nach dem Eingriff. Es ist eine erhebliche Anhebung der B1-Korpusresonanz (um ca. +7dB!), der Helmholztresonanz A0 (um +4dB) und des Brillanzbereiches zu erkennen.
