Unsere Forschung

Das Meisteratelier für Geigenbau Martin Schleske steht für eine kreative Verbindung aus Geigenbaukunst und akustischer Forschung. Wir haben diesen Teil unserer website in zwei Teil gegliedert:

  1. Einführung in die Geigenakustik: Anhand zahlreicher Abbildungen und Hörbeispiele, Fotos und Diagramme, sowie Schwingungsanimationen werden Grundlagen der akustischen Forschung im Geigenbau anschaulich.
  2. Handbuch Geigenakustik: Das Handbuch wird immer wieder durch aktuelle Forschungsergebnisse ergänzt. Sie finden darin zahlreiche Einzelartikel und "akustische Entdeckungen" aus meinem Geigenbaueralltag.

Meine Forschung verstehe ich als ein Werkzeug der Spurensicherung. In der Entschlüsselung akustischer Geheimnisse offenbart sich ein überwältigender Erfahrungsschatz. Die akustischen Analysen großartiger Instrumente, die meine eigene tägliche Arbeit begleiten, erlauben es, den Klangkonzepten eines Antonio Stradivari, Guarneri del Gesù, Domenico Montagnana und manch anderen Großen der ehrwürdigen Zunft Geheimnisse ihres Klanges zu entlocken. So kommen jene Meister auf eine sehr unmittelbare Weise in meiner Werkstatt zu Wort. Sie sind für mich nicht nur historische Vorbilder, sondern gegenwärtige Lehrer. Ihre Instrumente „sprechen“, wenn das Resonanzprofil das verborgene Wesen des Instrumentes sichtbar macht. So zeigt sich die Genialität der Großen und wird zum Ansporn meines eigenen Lernens und meiner täglichen Werkstattpraxis.

In meinen Instrumenten bemühe ich mich, die ursprüngliche Tradition des Geigenbaus aufzugreifen und weiterzuführen. Die Tradition des guten Geigenbaus war nie etwas anderes als schöpferische Entwicklung. In dem ursprünglichen Wechselspiel aus Kunst und Wissenschaft liegt für mich der eigentliche Reiz. Darum verstehe ich mich in meinem Schaffen als Handwerksmeister und als Klangforscher gleichermaßen. 

Die akustischen Geheimnisse der Geige

Es sind vor allem die Gegensätze, die mich in meiner Arbeit reizen und in die hinein ich meinen Klang zu erschaffen suche: Tiefe und Wärme und doch ein silbriges Feuern in den hohen Lagen. Eine unmittelbare Ansprache im feinsten Piano und doch eine unbezwingbare Belastbarkeit. Am meisten aber suche ich in meinen Instrumenten den inspirierenden Gegensatz aus Sanftheit und Kraft.

Das Flößen des Holzes, wie es im Geigenbau seit jeher Tradition ist.
Mit freundlicher Genehmigung: www.lineatus.ch

Wie war es den großen italienischen Geigenbauern des 17. und frühen 18. Jahrhunderts möglich, derart vollendete Werke zu schaffen? Die Blütezeit des klassischen Geigenbaues war das Ergebnis einer über Generationen hinweg ausgeformten lebendigen Tradition. Diese Tradition zu konservieren hieße, mit ihr zu brechen. Klangliche Verbesserungen wurden beibehalten, Verschlechterungen verworfen. Eine Generation gab ihre Erfahrungen an die nächste weiter - eine Geschichte unermüdlicher Versuche und Irrtümer. So war die Geige, als sie ihre Blüte erreichte, bereits das Ergebnis jahrhundertelanger empirischer Forschung.