Kunst und Wissenschaft
Wer die Geschichte der Kunst und die der Wissenschaft gleichzeitig liest, erkennt, dass die berühmten Großmeister der Geigenbaukunst im 17. und 18. Jahrhundert hochgradig aufgeschlossen waren für Methoden, Überlegungen und Entdeckungen der Wissenschaft und Künste ihrer Zeit – Architektur, Mathematik, Physik, Komposition und Malerei. Die Geige als ein verblüffend geniales akustisches System konnte nur in einem Milieu begnadeter Empirie entstehen. Hier waren Entwickler am Werk, für die Kunst und Wissenschaft niemals ein Widerspruch hätte darstellten können.
Die großen Meister der Renaissance empfanden die Verbindung von Kunst und Wissenschaft als selbstverständlich. Ihre künstlerischen Werke sind ohne ihre wissenschaftliche Beobachtungsschärfe und Neugier, ohne ihr Naturgefühl, kaum denkbar. So waren die Meister der Geigenbaukunst nicht nur Künstler, sondern zweifelsohne zugleich empirische Wissenschaftler. Der Klangkörper Geige kann nur in einem Milieu begnadeter Empirie entstanden sein. Dieser empirischen Kunst verdankt die Geige ihre Geschichte.
Erst im 19. Jahrhundert verkam die Kunst des Geigenbaus zur industriell revolutionierten Manufaktur, die ihren Bezug zu den ursprünglichen Quellen intuitiven und wissenschaftlichen Schaffens verloren hatte.