Meister

»Als Meister an der Werkbank Instrumente zu erschaffen, deren Klang die Seele berührt – aufbauend, erschütternd, tröstend und heilsam –, ist für mich eine Lebensberufung.«

Als ich mit siebzehn Jahren meine Geigenbaulehre begann, wusste ich: Entweder möchte ich eines Tages bessere Geigen bauen als Antonio Stradivari – oder wissen, warum das nicht geht.

 Das Physikstudium öffnete mir später die Welt der Akustikforschung. Sie hilft mir bis heute, dem Geheimnis des Klangs näherzukommen.

Martin Schleske

Portrait Geigenbaumeister Martin Schleske
»Auch alle Bäume im Wald sollen singen«
Psalm 69

Vita

Geigenbau ist für mich ein Dreiklang aus handwerklicher Leidenschaft, akustischer Forschung und klanglicher Gestaltungskraft.
Seit über vier Jahrzehnten arbeite ich daran, das Geheimnis des Klangs zu verstehen.

Heute spielen Solisten und Konzertmeister weltweit meine Instrumente anstelle ihrer altitalienischen Meisterwerke. Es erfüllt mich mit Dankbarkeit, wenn es mir gelingt, einem Musiker seine Stimme zu geben.

Ich hoffe, dass ich mit 85 Jahren einmal meine beste Geige bauen werde.

Meisterbrief Martin Schleske

Ausbildung und Forschung

  • Staatliche Geigenbauschule Mittenwald (1982–1986)
  • Forschungswerkstatt bei Müller‑BBM, Planegg, unter Prof. Helmut A. Müller (1988–1994)
  • Physikstudium an der Hochschule München (1990–1994) Diplomarbeit: Eigenschwingungen im Werdegang einer Geige
  • Meisterprüfung im Geigenbauer-Handwerk (1996)

Atelier und Tätigkeit

  • Seit 1996 eigenes Meisteratelier für Geigenbau im Raum München
  • Forschungsvorhaben, gefördert durch den Freistaat Bayern und die Europäische Kommission
  • Contributing Editor der Catgut Acoustical Society (New Jersey)
  • Mitglied der Künstlergruppe Das Rad
  • Über 400 eigenhändig gebaute Geigen, Bratschen und Celli

Persön­liches

  • Geboren 1965 in Stuttgart
  • Seit 1990 verheiratet mit Claudia Schleske
  • Zwei erwachsene Söhne
»Ich denke des Nachts an mein Saitenspiel / und rede mit meinem Herzen, mein Geist muss forschen.«
Psalm 77
»Ein bezaubern­der und fesselnder Ton von unglaub­lich­er Intensität und Magie.«
Enjott Schneider
Martin Schleske Kunstwerke

Experi­men­tel­les

Von Zeit zu Zeit erlaube ich mir im Atelier die Freiheit, neuartige Klangskulpturen zu erschaffen. Es sind Experimente, denen weder klanglich noch ästhetisch Grenzen gesetzt sind.
Diese Skulpturen klingen wie sie wollen und überraschen in ihrer Eigenwilligkeit – ob aus Filz, Bruchstücken, Rochenleder oder Blüten der Clematis. Es ist die Freude an unbekannten Klangfarben und einer verstörenden Ästhetik, die mich hier leitet.

mehr erfahren

Meine Bücher

Alle Bücher

»Martin Schleske ist nicht nur einer der ganz Großen des Geigenbaus, sondern auch ein begnadeter Erzähler…«

Süddeutsche Zeitung

Konzert­lesungen

In unseren Konzertlesungen verbinden sich Text und Klang zu einem lebendigen Wechselspiel. Gemeinsam mit dem Geiger Alban Beikircher lassen freie Erzählung und literarische Texte den Klang der Geige in seiner Tiefe und Vielfalt hörbar werden. Das Programm spannt den Bogen von Bach über Messiaen und Lutosławski bis zur zeitgenössischen Musik.
Neben diesen künstlerischen Formaten teile ich meine Forschung in Fachvorträgen auf internationalen Tagungen.

alle Vorträge
Martin Schleske spricht in zwei Mikrofone an einem Rednerpult.

Spiritua­lität

»Wer ein erfülltes Leben sucht, hat keine andere Wahl, als zu fragen, was sich durch ihn erfüllen soll. Das ist wohl das Wesen des Glücks und es entspricht darin der Arbeitsweise des Geigenbauers im Umgang mit dem Holz. Der Klang des Lebens wird im Faserverlauf des menschlichen Herzens erfüllt – und nicht daran vorbei.«

Aus: Martin Schleske, Der Klang. Vom unerhörten Sinn des Lebens (Kösel-Verlag, München 2010)

Ein heilsamer Klang kommt immer aus der Stille. Man muss sie lieben, damit das Holz zu einem sprechen und am Ende singen kann. Der Geigenzettel und der kleine Brandstempel im Innern meiner Instrumente sind Signaturen meines Schaffens. Es ist darin eine Ahnung, die bei den großen Altmeistern der Geigenbaukunst und in den Kompositionen ihrer Zeit lebendig war:
Musik ist letztlich in Klang gegossenes Gebet.

»Trinke Wasser aus deiner Quelle und was quillt aus deinem Brunnen«
Sprüche Salomos 5,15

Leiden­schaft

Eine große Kraftquelle für meine Werkstattarbeit sind die Pferde. In den stillen Stunden auf der Weide erlebe ich ihre heilsame Präsenz – jedes mit einer eigenen Art von Klangfarbe.

Die Kraft der Hände fließt vom Geigenbau zu den Pferden und von den Pferden zurück in meine Werkstatt. So habe ich begonnen, mit Pferden nach der Masterson Methode® zu arbeiten – einer Form der osteopathischen Körperarbeit.

Schmerzen zu lösen und ein Pferd in seine Balance zurückzuführen, ist für mich ähnlich beglückend wie den Klang einer Geige einzustellen.